Gemeinde St. Joseph

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Die erste Heilig-Geist-Kirche

Nachdem schon wenige Jahre nach Errichtung der St.-Joseph-Kirche bei den Bewohnern des südlichen Teils von Katernberg - vom Markt bis zum Abzweig und von der Kokerei bis zur Grundstraße - der Wunsch nach einer eigenen Kirche in diesem Gebiet entstanden war, wurde im Jahre 1908 dort der erste Kirchbauverein gegründet. Man sah sich nach einem Kirchplatz um. Angeboten wurde von der Familie Wilhelm Niermann der Platz an der Pfingstborn- und Oelbergstraßen-Ecke, aber die Sache kam unter Pfarrer Nachtsheim nicht vorwärts. Der Landwirt Franz Sander, ein Junggeselle, betrieb die Wirtschaft Gut Meybuschhof (früher Bahnstraße) Nr. 28, fast an der Eisenbahn. Am 11. Juli 1911 errichtete der im darauffolgenden Jahr verstorbene Franz Sander ein Testament, in dem er der Kirchengemeinde St. Joseph ein seinem Hause gegenüberliegendes großes Gartengrundstück - auf dem heute die Hl.-Geist-Kirche steht - vermachte mit der Bestimmung, dass in einer bestimmten Frist auf diesem Boden eine Kirche gebaut werden sollte; anderenfalls sollte dieses Land an den Bonifatiusverein oder an die Weltmission fallen. Aber der Kirchenvorstand St. Joseph konnte sich wegen der hohen Schulden nach dem Bau der St.-Joseph-Kirche, dem 1. Weltkrieg und der Inflationszeit nicht zum nächsten Kirchbau entschließen. 1928 war dieses Testament zu ungunsten von St. Joseph verfallen.

Mittlerweile war die Pfarrei mit ihren 12.000 Seelen zu groß geworden. So mühte sich Pfarrer Alois Willecke um die Errichtung eines Rektorates innerhalb der Pfarrei. Es gelang ihm, die Erben zu bestimmen, das Testament wieder aufleben zu lassen. Auch der Bonifatiusverein und die Weltmission traten von ihren Rechten zurück. Jemand von der Stadtverwaltung machte dem Pfarrer Mitteilung, aus dem Konkurse der Ölfabrik Blass u. Sohn stehe die auf dem Oelberg gelegene Fabrik samt Bürohaus und Nebengebäuden billig zu Kauf. Es gelang dem Pastor im Jahre 1929 ein Tausch: die Stadtverwaltung als Inhaber des Fabrikgrundstückes übergab dieses der Pfarrgemeinde St. Joseph samt aufstehenden Gebäuden gegen das Grundstück des Franz Sander am Bahnhof Süd.  

Die Fabrikhalle der alten Ölfabrik wurde durch Regierungsbaumeister Emil Jung zur Kirche umgebaut, die nach dem Willen von Pfarrer Willeke „Heilig Geist“ genannt wurde. Am 21. Mai 1933 wurde zum ersten Mal in Hl. Geist die hl. Messe gefeiert. Kaplan Winand Kaiser hatte die Aufgabe, sich um diesen Teil der Pfarrei St. Joseph zu kümmern.

Samstag, der 13. Oktober 1934 war für die katholische Bevölkerung Katernbergs ein Tag von ganz besonderer Bedeutung, wurde doch die neue Heilig-Geist-Kirche, die erst im vorangegangenen Jahr ihrer Bestimmung übergeben worden war, durch den Weihbischof Dr. Hammels feierlich konsekriert. Die Umgebung der Kirche und die anliegenden Straßen und Häuser prangten im Festschmuck von Fahren und Fähnchen. Der Weihbischof wurde am Jugendheim von Pfarrer Willecke, den übrigen Geistlichen sowie zahlreichen Pfarrangehörigen empfangen und im festlichen Zuge zur Kirche geleitet. Hier begann zunächst die Vorweihe. Der Bischof klopfte an die Tür und umschritt dann in Begleitung der Geistlichkeit dreimal die Kirche, sie mit Weihwasser besprengend und betend: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes“. Darauf wurde die Tür geöffnet und das Innere des Gotteshauses geweiht. Dann wurden die Reliquien der hl. Märtyrer Amantius und Innocentia, die in der Nacht von Freitag auf Samstag im Jugendheim zur Verehrung ausgestellt waren, feierlich zum Hochaltar übergeführt.

Im Anschluss daran begannen die Einweihungsfeierlichkeiten am Hauptaltar. Den Zeremonien, die gegen 10.30 Uhr beendet waren, folgte ein feierliches Hochamt. Während desselben richtete der Weihbischof eine Ansprache an die Gläubigen. Er überbrachte zunächst herzliche Grüße Sr. Eminenz des Erzbischofs von Köln. Auf die Bedeutung des Tages eingehend, betonte er, dass derselbe ein Freudentag für die ganze Pfarre sei. Er dankte allen Wohltätern, insbesondere Pfarrer Willecke, durch deren Opfer es möglich war, dieses ehemalige Fabrikgebäude, diese Stätte der Arbeit, in eine Stätte des Gebetes umzuwandeln. Abschließend wies der Bischof auf den Heiligen Geist, den Gnadenspender, hin. Ihm sei die Kirche geweiht, und er wünschte, dass die neugeweihte Heilig-Geist-Kirche zu einer wirklichen Gnadenquelle werden möge. Mit der Erteilung des sakramentalen Segens fand die kirchliche Feier ihren Abschluss. Nach der Feier fuhr der Weihbischof durch die Straßen, welche die Prozession am Tage der Einsegnung durchzogen hat, und darauf zum Pfarrhaus, wo selbst er Aufenthalt genommen hatte.